MERLIN rächt sich

Wenn der Wind und auch der Regen
stürmisch durch die Gasse fegen,
kommt das Merlin ungelegen.
Gassigehn auf nassen Wegen?
Nein! Das muss ein Hund nicht mögen!
Besser ist´s, der Ruh zu pflegen…
Leider hat man was dagegen.

Denn, mag´s regnen oder schneien,
mögen Ungewitter dräuen
und der Himmel Hagel speien,
Hunde, die sich nicht kasteien,
müssen ja – woll´n sie gedeihen –
öfters ihre Innereien
von so mancherlei befreien.

Auf Besuch ist Frauchens Tante
zum Kaffee. Die Anverwandte,
Merlin bislang Unbekannte,
outet sich als überspannte,
leider peinlich penetrante,
und, wie´s aussieht, selbsternannte
strenge Hunde-Gouvernante.

Und schon schmalzt die resolute,
stark blondierte Tante Ute:
„Na, wo isser denn, der Gute?“
Merlin ist nicht wohl zumute,
doch er zeigt die feuchte Schnute,
klopft auch höflich mit der Rute,
denkt sich aber: „Dumme Pute!“

Sauer wird des Hundes Miene,
denn die Wasserstoff-Blondine
mit der Billig-Brillantine
schürzt nun ihre Krinoline,
fällt ihn an wie ´ne Lawine
und dann rollt sie voll Routine
ihn wie eine Ölsardine
in die Regenpelerine.

„Dieses Weib treibt´s auf die Spitze!
Als ob mir der Umhang nütze!
Hätt´ die Alte nur ein klitze-
kleines Minimum an Grütze
unter ihrer Pudelmütze,
wüsst´ sie, wie ich drunter schwitze –
Regenhäute stauen Hitze.“

„Ob man mir Beachtung spendet?“
Merlin fühlt sich fast geschändet,
hat gleich SOS gesendet,
doch sein Winseln ist verschwendet.
„Hund, das Thema ist beendet!“,
zischt sie, hat sich abgewendet
und sein Jammern ausgeblendet.

Doch er lässt sich nicht bepissen,
hat mit lauterstem Gewissen
Blondies Schirm, schon leicht verschlissen,
aus dem Ständer rausgerissen
und in diesen Schirm beflissen
flott ein Riesenloch gebissen.

Jetzt kann ihn die Tante küssen,
denn jetzt ist sie aufgeschmissen!

© Hannelore Nics, Wien
Weitere Geschichten und Gedichte in „Gassi Impressionen

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*